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 Prinz Max zu Wied
Am 23. September 1782 kam Prinz Maximilian im Schloß Neuwied als sechstes Kind von Fürst Friedrich Karl (1741-1809) und Marie (1747-1823), geborene Sayn-Wittgenstein-Berleburg, zur Welt.
Mit achtzehn Jahren schrieb er sich als Student der Naturwissenschaften an der Universität in Göttingen ein. 1802 trat er den Dienst im preußischen Militär an und geriet in der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt am 28. Oktober 1806 in französische Kriegsgefangenschaft. Nach einem Friedensschluß der drei Großmächte 1807 kehrte er nach Hause zurück.
1808 reiste er zu Studienzwecken in die Schweiz. Sein Tagebuch voller Skizzen und Beschreibungen ist eine Kostbarkeit. Zwischen 1809 und 1811 traf er mit Alexander von Humboldt zusammen, der gerade aus Südamerika zurückgekehrt war. Dies bewog ihn, sich am 16. 4. 1811 erneut an der Universität in Göttingen einzuschreiben. Im folgenden Jahr wurde seine Arbeit über die rheinischen Altertümer als Buch herausgegeben. 1813 entschloß er sich, wieder in den Militärdienst zu treten. Beim Einzug der deutschen Truppen in Paris am 31.3.1814 traf er erneut auf Alexander von Humboldt, der an seinem Werk über den südamerikanischen Kontinent arbeitete.
Nach diesem Treffen beschloß Maximilan nun endlich seinen Traum zu verwirklichen. Am 16.7.1815 traf er nach 72-tägiger Überfahrt in Begleitung seines Gärtners Simonis und seinem Hofjäger Dreidoppel in Rio de Janeiro ein. Durch die Unterstützung der portugiesischen Behörden konnte er rasch ein Expeditionsteam zusammenstellen, welches aus zwei weiteren Naturforschern, sowie aus unzähligen Helfern bestand und begann bereits am 4.8.1815 sein Vorhaben zu verwirklichen. Nach fast zwei Jahren, die er im brasilianischen Urwald verbracht hatte, brach er im Frühjahr 1817 Richtung Bahia auf.
Aus den Briefen an seine Geschwister entnehmen wir, daß die Begegnung mit der Urbevölkerung zu seinen bedeutsamsten Erlebnissen gehörte. Ahnte er vielleicht schon damals etwas von dem traurigen Schicksal der südamerikanischen Indianerstämme?
Noch heute bedeutet eine Expedition in die unwegsamen Wälder Brasiliens ein gewagtes und strapazenreiches Unternehmen.
Doch welche Gefahren mußte sich der Reisende und Forscher vor mehr als 150 Jahren in diesen noch vollkommen unerforschten Gebieten aussetzen? Obwohl alle europäischen Teilnehmer der Expedition schwer unter Malaria litten, waren der Prinz und seine Begleiter unermüdlich tätig, ihre Erlebnisse aufzuzeichnen und zu skizzieren und eine möglichst umfassende Sammlung der Fauna und Flora anzulegen.
Die Rücksendung der pflanzlichen und tierischen Präparate, sowie der ethnographischen Gegenstände nach Rio war unter den damaligen Umständen ein besonders schwieriges Problem und mag dem Prinzen manche sorgenvolle Stunde bereitet haben.
Im Herbst 1817 erreichte Maximilian wieder seine Heimat und war um zwei Freunde reicher geworden: Einer davon war ein Indianer vom Stamme der Botokuden mit dem Namen "Quäck". Quäck, welcher freiwillig nach Europa gekommen war, erlag jedoch sehr zum Leidwesen Maximilians wohl aus Einsamkeit und Sehnsucht nach der Heimat, der Trunksucht und stürzte im Winter 1833, während der Abwesenheit des Prinzen, völlig betrunken aus einem Fenster im Schloß und erfror.
Maximilian's wissenschaftliche Erkenntnisse der Südamerikaexpedition befinden sich heute im Besitz der Robert Bosch GmbH in Stuttgart. Neben seinen vielen schriftlichen Aufzeichnungen und gesammelten Artefakten hat er auf dieser Reise alle Eindrücke selbst gemalt oder gezeichnet.
Noch während der Ausarbeitung seiner Werke wuchs in ihm der Wunsch auch Nordamerika in ähnlicher Weise zu erforschen. In dieser Zeit lernte er den Maler Karl Bodmer kennen, woraufhin er sich fest entschloß, seine Pläne bezüglich Nordamerika in in die Tat umzusetzen.
Dennoch sollte es noch einige Zeit bis zur Umsetzung dieses Ziels dauern, denn der Prinz war mit dem Verfassen seines Werkes über die Südamerikaexpedition beschäftigt. Zudem mußte zunächst die Reisekasse gefüllt werden.
1832-1834 unternahm er dann in Begleitung Bodmers und seinem bereits erpropten Hofjäger Dreidoppel die Expedition in das innere Nordamerika. Am 7.5.1832 brach er in Koblenz auf und erreichte am 9.7. bei strömendem Regen New York.
Aufgrund einer Choleraepedemie verließ er am 16. New York in Richtung Philadelphia.
"Da mich das Studium amerikanischer Völker besonders ansprach, so hatte ich alle Buchläden und Kupferstich-Handlungen durchsucht, um gute Abbildungen jenes interessanten Menschenstammes zu finden; allein wie erstaunte ich, auch nicht eine einzige brauchbare, d.h. characteristische Abbildung derselben erhalten zu können, einige schlechte oder sehr mittelmäßige Kupferstiche abgerechnet, welche sich in Reisebeschreibungen befinden. Es ist unglaublich, wie der Urstamm des amerikanischen Menschen bei den fremden Ursurpatoren verhaßt und vernachlässigt ist."
Den Winter 1832/33 verbrachten sie in New Harmony. (Siehe hierzu: Clark Kimberlings biographics of Evansville - Prinz Maximilian zu Wied in Amerika - in englisch).
Schließlich brachen sie am 16.3.1833 Richtung St.Louis auf und erreichten es am 24.3.1833. Von dort aus ging es am 10.4. den Missouri aufwärts. Am 21.4. passierten sie die Grenze zwischen Amerika und den noch "freien" Indianern auf der Höhe des heutigen Kansas City.
Eine weitere Reisebeschreibung würde an dieser Stelle zu weit führen. Siehe auch: Prinz Max: Leben und Werk. In der Bücherliste finden Sie weitere Informationen. (Anm. d. Verf.)
Er war der erste und einzige, der sich zu dieser Zeit wissenschaftlich für die Ureinwohner Nordamerikas interessierte.
Seine Sammlungen sind teils in Berlin, teils in Stuttgart zu bewundern.
Als Ethnologe, Zoologe und Botaniker, sowie als Geologe, Mineraloge und Meteorologe und nicht zuletzt als Linguist für indianische Sprachen, hat er wahrhaft Großartiges geleistet und der Nachwelt einen reichhaltigen Fundus seines Wissens hinterlassen.
Er starb am 4. Februar 1867 im stolzen Alter von 84 Jahren nach kurzer Krankheit im Schloß Neuwied.
Heute noch stützen sich Forscher aus aller Welt auf seine damals gewonnenen Erkenntnisse.
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