|
Im Festsaal des Neuwieder Schlosses finden regelmäßig Wohltätigkeitskonzerte statt. So auch am 2. Juli 1997 mit Migen Begolli (Violine) und Fedra Blido-Roshi(Klavier) aus Albaniens Hauptstadt Tirana zugunsten der Kinderstation des Krankenhauses in Vlora/Südalbanien. Die albanische Delegation trägt Prinz Wilhelm zu Wied am 21.2.1914 die Fürstenkrone Albaniens an Dem Ereignis der Fürstenkür in Neuwied waren kriegerische und diplomatische Verwicklungen auf dem Balkan vorausgegangen. Nach der Als Rußland seit Ein Bericht von 1921 (113-4-10) nennt Zahlen von 1919. Das damalige Albanien, etwa so groß wie Belgien, hatte rund 1,2 Millionen Einwohner, davon 700 Tausend Mohammedaner in Mittelalbanien, 300 Tausend griechisch-orthodoxe Christen im Süden und 200 Tausend römisch-katholische Christen im Norden. Ungefähr eine weitere Million Albaner fand sich von den anderen Balkanstaaten vereinnahmt, überwiegend von Serbien und dort vor allem im Kosovo. Die albanische Nationalstaatsbewegung hatte vorerst nur wenige Verfechter, weil die Albaner sich entsprechend ihrer religiösen Dreiteilung ausrichteten und die mohammedanische Mehrheit dem islamischen Staatsverständnis eines Vielvölkerstaates des türkischen Reiches zuneigte. Als die Türkei diese Staatsform den Albanern, zumal deren tonangebender, islamisierter Oberschicht, nicht mehr gewährleisten konnte und deshalb Albanien unter die Nachbarstaaten aufgeteilt zu werden drohte, trafen sich am 28.11.1912 im noch unbesetzten Hafen Vlore zunächst Vertreter aus Süd- und Mittelalbanien zu einem Nationalkongreß und riefen die Unabhängigkeit Albaniens aus. Zugleich setzten sie eine provisorische Regierung ein. Um zu verhindern, daß an den Zwistigkeiten auf dem Balkan und in Albanien ein europäischer Krieg sich entzündete oder im anderen Fall das jeweilige Bündnis - die Entente von Frankreich, Rußland und England hier, der Zweibund von Deutschland und Österreich-Ungarn dort - zerbrach, ließen die Großmächte Österreich-Ungarn, Italien, Rußland, Frankreich und Deutschland ihre Botschafter in London am 3.12.1912 zu einer Konferenz unter Vorsitz des englischen Außenministers zusammentreten. Sie bestätigte am 29.7.1913 Albaniens Unabhängigkeit, die damit völkerrechtlich gesichert war. Die Londoner Beschlüsse bestimmten in Punkt 1: "Albanien wird als ein (... ) erbliches Fürstentum unter der Garantie der sechs Mächte errichtet. Der Fürst wird durch die sechs Mächte designiert werden." Zur Kontrolle der Zivilverwaltung und der Finanzen setzte man auf 10 Jahre eine Internationale Kommission aus Vertretern der sechs Mächte und einem Albaner ein. Für die öffentliche Sicherheit sollte eine Gendarmerie unter holländischen Offizieren sorgen. Dann begann die Suche nach einem geeigneten Fürsten. Christian Schmitz (S. 13) zählt 19 Kandidaten oder Bewerber auf. Prinz Wilhelm zu Wied war zunächst nicht dabei. Österreich-Ungarn und Italien als die am meisten um Einfluß in Albanien bemühten Großmächte einigten sich schließlich darauf, daß der künftige Fürst, um den mohammedanischen, griechisch-orthodoxen und römisch-katholischen Volksteilen unparteiisch gegenübertreten zu können, protestantischen Glaubens sein solle. Also wurde Prinz Wilhelm zu Wied vorgeschlagen, vermutlich zuerst von Rumänien gegenüber Österreich-Ungarn. Die rumänische Königin Elisabeth, als Schriftstellerin bekannt unter ihrem Pseudonym Ekrem Bey Vlora, während der Regierung des Prinzen Wilhelm dessen enger außenpolitischer Mitarbeiter, schreibt in seinen Erinnerungen (Bd. 2, S. 44-48), er habe alle Thronkandidaten gekannt, keiner sei besser als Prinz Wilhelm gewesen: "Er machte den Eindruck eines großen und edlen Herrn, eines gediegenen, ernsten, redlichen (für Albanien vielleicht zu ehrlichen) Menschen, der entschlossen war, eine große Verantwortung ohne Illusionen auf sich zu nehmen und zu tragen." Eine der zur Begrüßung gekommenen albanischen Deputationen Fürst Wilhelm hatte den Beruf des Offiziers gelernt, diente zunächst in der Garde du Corps und wurde nach drei Jahren Generalstabsausbildung als Rittmeister zum 3. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam kommandiert. In Fragen der Volkswirtschaft, des Staatsrechts, des internationalen diplomatischen Spiels war er nicht geschult. Albaniens Land und Leute waren ihm fremd. Er wäre auf loyale Ratgeber angewiesen gewesen. Davon gab es zu wenige. Die Großmächte hatten ihn dem albanischen Nationalkongreß vorgeschlagen, unterstützten ihn dann aber nicht, zumal sie seit dem 1./3./4.8.1914 im Krieg gegeneinander sich um die Verteidigung des eigenen Landes kümmem mußten. Das zugesagte Geld blieb aus. Italien intrigierte offensichtlich gegen den Fürsten. Deutschland verhielt sich von Anfang an strikt neutral. Prinz Wilhelm schrieb am 24.8.1913, Ankunft des Fürstenpaares in Drres am 7.3.1914 Prinz Wilhelm holte sich Rat bei seinem Bruder Victor, der als Legationssekretär und dann als Legationsrat an der deutschen Gesandtschaft in Kristiania in Norwegen tätig war. Dieser geübte Diplomat formulierte ihm jene 10 Punkte, deren Erfüllung Prinz Wilhelm zur Vorbedingung seiner Zustimmung machte. Er hielt den Diplomaten-Bruder während der folgenden Jahre über seine Gedanken und Maßnahmen auf dem laufenden, betonte jedoch, er wolle 'in keiner Weise versuchen, Deine ablehnende Ansicht umzustimmen' (16.7.1917). Dies schrieb er im Begleitbrief zu seiner 1917 verfaßten "Denkschrift über Albanien". Zu diesem Zeitpunkt war er schon drei Jahre außer Landes und stand als deutscher Offizier an der Front in Rußland. Nachdem er sich entschieden hatte, den Albanern als Fürst zur Verfügung zu stehen, hielt er daran auch nach seinem Weggang aus Albanien fest. Seine Zeitgenossen äußerten sich zum Teil sehr kritisch und hämisch über seine Rolle in den albanischen Wirren. Die politischen und seine persönlichen Voraussetzungen für sein Wirken als Fürst waren ungünstig. Ein gerechtes Urteil muß jedoch berücksichtigen, daß er sich nicht zu dieser Aufgabe gedrängt hat. Er mußte gedrängt werden. Er war kein Abenteurer. Ein gerechtes Urteil muß auch darauf hinweisen, daß die beteiligten Großmächte - also in deren Namen auftretende Personen, die nach der von ihnen zu verantwortenden Staatsräson oder in einem ebenfalls von ihnen zu verantwortenden "Großen Spiel" handelten - ihr Versprechen auf Unterstützung nicht hielten. Sie waren es, die den Widerstreit zwischen dem System des den europäischen Frieden durch ein Gleichgewicht sichernden sogenannten "Konzerts der Großmächte" und dem System der den 1. Weltkrieg im August 1914 auslösenden Blockbildung von Entente und Zweibund nicht überwanden. In diesen Strudel rissen sie Albanien und seinen Fürsten mit hinein. Dem Fürsten Wilhelm das Mißlingen seiner Mission in Albanien als Makel anzuhängen, wäre nicht anständig. Alle Urteile bestätigen, Fürst Wilhelm sei ein integrer, ritterlicher Charakter gewesen. Sein Brief vom 22.12.1916 überliefert, wie er aus dieser Haltung heraus gegenüber dem deutschen Staatssekretär des Äußeren (Außenminister) Zimmermann sein Versprechen, immer für das Wohl Albaniens zu arbeiten und wieder ins Land zurückzukehren, verteidigte. Er wolle nicht zu der Klasse jener Fürsten zählen, die ihr Wort gebrochen hätten. Er könne der Auslegung Jagows (des vorherigen deutschen Staatssekretärs des Äußeren) nicht folgen, "der behauptete, so etwas sage man doch nur so hin. (... ) Ich denke dran, wie Papa mit uns in Neuwied durchs Schloßtor ging und auf das neue vergoldete Wappen zeigte und sagte: Haltet es mir rein!": Fidelitate et veritate: mit Treue und Wahrheit. |
Als Materialgrundlage vgl.: Dieser Bericht wurde als Informationsheft Nr.: 1 vom Deutsch-Albanischen Kulturkreis anläßlich des Wohltätigkeitskonzerts zugunsten der Kinderstation des Krankenhauses in Vlora/Südalbanien am 2. Juli 1997 im Schloß Neuwied herausgegeben. Der Deutsch-Albanische-Kulturkreis e.V. (Dorotheenstr. 239, 53119 Bonn) wurde am 21. März 1997 in Bonn gegründet. Zweck des Vereins ist es, das Verständnis für die Fragen Albaniens in Deutschland im Sinne der Völkerverständigung zu fördern. Er tritt für die Aufrechterhaltung, Pflege und Stärkung der gegenseitigen kulturellen Beziehungen zwischen beiden Völkern ein. Sein Vorsitzender ist Staatsminister a.D.Heinz Schwarz. Die Inhalte dieses Textes sind unverändert in diese neue Form übernommen worden, nachdem die ursprüngliche Location keine einwandfreien Ergebnisse mehr lieferte. Bei Beanstandung dieser Vorgehensweise bitte Mail an: webmaster@zuwied.de |




